Jeder ist auch ein revolutionäres Subjekt

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Anlässlich des 50. Jahrestages der 1968er-Bewegung spricht die Soziologin Claudia Honegger über Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, die Frankfurter Schule und über den weiten Weg des Feminismus.

tachles: Der Weg an die «Frankfurter Schule» – war das ein Aufbruch aus der Enge eines Landes, in dem 1970 den Frauen die politische Gleichberechtigung noch immer verwehrt war?
Claudia Honegger: Nein, ich habe unsere Situation Ende der 1960er-Jahre nicht als besonders eng empfunden. Ich wollte einfach für zwei Semester nach Frankfurt gehen, um die Kritische Theorie aus der Nähe kennenzulernen. Ich hatte in Zürich neben Nationalökonomie und Philosophie auch Soziologie studiert und auch bereits in Projekten der empirischen Sozialforschung mitgearbeitet. Aber der methodologische und theoretische Rahmen schien mir etwas arg begrenzt, und ich erwartete mir von der Frankfurter Schule neue Impulse. Als ich in Frankfurt ankam, war die heute unter dem Etikett «1968» erfasste Aufbruchstimmung, die ja auch in Zürich spürbar gewesen war, verflogen. In den Sozialwissenschaften war das Lehrangebot natürlich viel breiter als in der Schweiz. In der Philosophie gab es zwar noch viele Adorniten. Aber nach dem Tod von Theodor W. Adorno im Sommer 1969 wurde Jürgen Habermas zur prägenden Figur der Kritischen Theorie. Und er war gerade dabei, für diese mit Hilfe von Sprachtheorie, analytischer Philosophie und Sozialforschung ein neues Fundament zu erarbeiten.

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