Astrid Wüthrich (2004): Geschlechtsspezifische Drogenarbeit. Professionelle Arbeit mit KonsumentInnen illegaler Drogen am Beispiel der Kontakt- und Anlaufstelle in Bern.

Die Arbeit mit drogenkonsumierenden Menschen sieht sich vor neue Herausforderungen gestellt. Neu einsteigende KonsumentInnen, die Vermischung verschiedener Szenen, die “Modedroge” Kokain sowie Evaluation und Kritik bestehender Programme verlangen von der professionellen Drogenarbeit Antworten. Gleichzeitig werfen auch “traditionelle” Pfeiler der bisherigen Drogenarbeit neue Fragen auf. Die frauenspezifische Arbeit mit Drogenkonsumentinnen hat sich etabliert. Neben ihr führt die männerspezifische Drogenarbeit in den meisten Institutionen und in der theoretischen Auseinandersetzung ein Schattendasein, aus dem sie erst in jüngster Zeit herauszutreten scheint.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Fragen rund um die Ursachen, die hinter einem geschlechtsspezifischen Engagement seitens der SozialarbeiterInnen stehen. Dabei konzentriert sie sich auf niederschwellige Institutionen im Suchtbereich und stellt die Anlaufstelle in Bern ins Zentrum ihrer Untersuchung. Um diesen Fragen aufzuspüren, wurden mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Anlaufstelle qualitative Interviews durchgeführt. Die Arbeit wirft Fragen auf nach Motivationen von Frauen und Männern, geschlechtsspezifische Aspekte in ihre Arbeit einfliessen zu lassen, geht auf die tägliche Arbeit von Frauen mit Frauen und Männern mit Männern ein, fragt nach geschlechtsspezifischen Bewältigungsstrategien von Drogensucht und stellt diese in Zusammenhang zum professionellen Wissen der SozialarbeiterInnen.
Im Kontext des Umfelds der Anlaufstelle (anbietende Institution, Politik, Forschung) wird deutlich, dass sowohl seitens der SozialarbeiterInnen wie von aussen Schritte notwendig sind, damit sich eine männerspezifische Drogenarbeit ähnlich der frauenspezifischen durchzusetzen vermag. Gleichzeitig drängt sich die Annahme auf, dass nur wenn dies zum Thema in der Drogenarbeit wird, überhaupt geschlechtergerchte Drogenarbeit stattfinden kann.